Editorial
Wolfgang Elster

Vor nicht allzu langer Zeit berichtete ein Leser der Fachzeitschrift Fine Art Printer von der Ausstellung eines Fotografen, dessen Bilder seiner Schilderung nach „grauenhaft“ ausgesehen haben müssen. Flaue Prints, ohne Kraft und Tiefe, wie von einem Laboranfänger gemacht, war sein Urteil. Der Umstand, dass die Bilder zwar auf Fine Art Papieren aus reiner Baumwolle, aber mit einem Tintenstrahldrucker geprintet waren, ließ bei dem Mann erhebliche Zweifel an der technischen Qualität gedruckter Bilder aufkommen.

Ein Urteil über diese Bilder des unbekannten Fotografen kann ich mir nicht erlauben. Ich habe sie nicht gesehen. Eines jedenfalls glaube ich – wer früher bei seinen Prints aus dem analogen Fotolabor auf allerhöchste Bildqualität geachtet hat, wird sich heute bestimmt nicht mit „grauenhaft“ gedruckten Bildern zufrieden geben. Allein die Tatsache, dass der Freund des Analoglabors die Ausdrucke als solche zunächst nicht erkannt hat, erscheint mir schon bemerkenswert.

Dass qualitativ hochwertige Fine Art Prints mit einem Fotodrucker auf edlen Papieren möglich sind, wurde mittlerweile oft genug bewiesen. Doch diese Technik verlangt mindestens genau so viel Fachkenntnisse, wie sie vom Fine Art Printer im analogen Labor verlangt werden. Nur das Ergebnis zählt.